Traumpfad 6: Bergschluchtenpfad Ehrenburg

Traumpfad Ehrenburg: Blick auf die Mosel
Traumpfad Ehrenburg: Blick auf die Mosel

Hi zusammen – Traumpfad Nummer 6 steht an!

Die Traumpfad-Reihe geht weiter:
Der Traumpfad Bergschluchtenpfad Ehrenburg ist der wohl schwierigste und forderndste Traumpfad, der bisher freigegeben wurde.
Immerhin ist er rund 18,6 Kilometer lang und es wollen 879 Höhenmeter bezwungen werden. Gerade für Flachlandpiraten ist das keine leichte Aufgabe.
Aber eine, die sich lohnt. Kommt mit auf den sechsten Traumpfad – er startet in Brodenbach an der Mosel. Gelaufen bin ich ihn mit Pilgerfreundin Steffi als Vorbereitung auf den Malerweg in der Sächsischen Schweiz.

Blick ins Wandertagebuch:

„Es ist Samstagmorgen, viertel vor 10, und wir stehen vor der Waldherberge Moselblick in Brodenbach, einer ehemaligen Jugendherberge mit dem Charme der 70er Jahre (21,50 Euro pro Bett pro Nacht, 5 Euro pro Person für’s Frühstück und ein „etwas anderer Herbergsvater“) und lassen erst mal das Essen sacken.
Direkt am Haus führt der Traumpfad Bergschluchtenpfad vorbei, den wir unbedingt „richtig herum“ angehen wollen, denn auf dem Papier sieht es so aus, als hielten sich auf diese Weise die Höhenmeter am Ende des Weges ein wenig in Grenzen.

Natürlich erwischen wir stattdessen die (vermeintlich) „falsche“ Richtung und laufen direkt zielstrebig zum Ehrenmal, dem ersten Aussichtspunkt, der einen Blick auf das wolkenverhangene Brodenbach und die Mosel gewährt.
„Bei TRAUMwetter gibt’s dann hier ja vielleicht tatsächlich ’ne TRAUMsicht auf diesem TRAUMpfad…“, schwirrt es mir durch den Kopf.
Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich ein Morgenmuffel bin?
Wir prusten übrigens schon ein wenig bei diesem ersten Anstieg, wobei ich sagen muss, dass mittlerweile die Regenerationsphasen kürzer werden. Zum Glück – irgendwas muss sich ja langsam mal bessern.

Andersrum gelaufen als geplant…

Nach dem Ehrenmal geht es weiter hinauf – auf schmalen Waldwegen und serpentinenartig. Mein Gott – ist das schön hier!
Und schön bergig auf jeden Fall. *schnauf*
Als wir letztlich wieder unten ankommen, fällt mir die Alte Mühle Vogelsang ins Auge – gleichzeitig kapiere ich, dass wir den Weg doch falsch rum angegangen sind.

„Äh… Steffi? Ich glaub, wir laufen doch andersrum als geplant….“, setze ich an.
„…Jupp – aber ich lauf deswegen jetzt nicht die 2 oder sonstwas Kilometer wieder zurück!!!“, antwortet sie prompt.
Nee, das Verlangen hab ich auch nicht. Vor allem deshalb nicht, weil ich ja dann erst mal wieder rauf auf den Berg müsste, den ich gerade runtergeflogen bin (bergab bin ich manchmal so etwas wie Speedy Gonzales – nur ne sehr viel stillere Variante davon). Nein, danke!

„Es regnet, Gott segnet“

Der weitere Weg führt uns an einem leise plätschernden Bach entlang, dessen Geräusche herrlich zum leichten Nieselregen passen, der jetzt aufs Blätterdach über uns niedergeht. Stören tut er uns aber nicht, sodass die Ponchos im Rucksack bleiben.
Dass die Gegend Ehrenburgertal heißt, ist übrigens sowas wie „die Wanderer fieserweise erst mal in Sicherheit wiegen“, denn am Ende des Tals geht es – klar! – wieder bergauf. Denn die Ehrenburg, die uns nach den ersten 5 Kilometern erwartet, liegt – eigentlich auch wieder klar – auf nem Berg…

Macht aber nix – da oben gibt’s nen Café in der Burg! Aber: Um dort Platz nehmen zu können, zahlen Erwachsene erst mal 3,50 Euro „Brückenzoll“ – also Eintritt. Scheiß drauf. Denn was da gerade von oben runterkommt, ist jetzt nicht mehr nur Nieselregen.
Steffi kämpft mit sich: Ein alkoholisches Getränk oder doch lieber ne Latte? Wir entscheiden uns für was Warmes und das ist genau richtig. Mein Gott, das wärmt von innen. Tut das guuut.
Wir verquatschen ne gute Stunde. Herrlich, dieses Zelebrieren von Pausen!

Wohltuende Ehrenburgpause

Nach der Ehrenburg geht’s erneut fein bergauf, bis wir endlich wieder eine Ebene erreichen. Wäre das Wetter gut, hielte sie bestimmt auch tolle Aussichten für uns bereit. Aber wenigstens regnet es gerade mal nicht.
Was folgt, stimmt mich fröhlich: DIESEN Weg, den wir jetzt bergab durch nen Wald meistern müssen, hätte ich NICHT hochschnaufen wollen. Meine Güte, da muss man ja aufpassen, dass man nicht ins Rollen kommt und nach unten rauscht! Egal – mir gefällt’s. Und es geht traumhaft weiter: Wir schlendern wieder an einem Bach entlang. Und der wird laut und lauter. „Äh – was ist das? Nen Donnerbalken?“, frage ich laut. „Was?“, brüllt Steffi gegen das Tosen des Flusses an. Wir grinsen beide.

Ein paar Meter weiter verrät uns ein Schild den Namen des fast schon mystischen Ortes hier: Donnerloch. Lustig. Felsen und jede Menge gurgelndes Wasser. Wildromantisch ist die Schlucht, die wir nun durchqueren, bis wir an einer Schutzhütte ankommen. Zwei Herren trinken das erste (?!) Bier des Tages und wir entscheiden uns dafür, mal nicht Halt zu machen.
Ich denke über eine Felshöhle nach, die wir hätten passieren müssen, die wir aber nicht gesehen haben. Sei’s drum – man kann nicht alles haben.

Wo wohnen all‘ die Nerds?

Direkt nach der Schutzhütte geht’s erneut bergauf in Richtung Nörtershausen. Zwei Frauen kommen uns entgegen. Da wir nur bis zur nächsten Kurve gucken können, bin ich versucht, sie zu fragen, ob uns ein langer oder vielleicht doch ein kurzer Anstieg erwartet? Gut, dass ich es nicht tue. Es hätte mich vielleicht frustriert. Zwar ist es hier nicht allzu steil – aber der Weg hoch zur Ebene vor Nörtershausen (was für ein Name! Ich muss dauernd an „Nerds“, „Big Bang Theory“ und die Frage denken, ob dort wohl Sheldon und seine Kumpels wohnen) ist lang. Sehr lang.
Wenigstens regnet’s immer noch nicht wieder. Zumindest nicht, bis wir endlich oben stehen und die Aussicht genießen könnten…

In Nörtershausen treffen wir zwar nicht Sheldon, sehen dafür aber ein Werbeschild der Pizzeria Roma. Ich jubele schon innerlich – da entdecke ich die Öffnungszeiten. Es ist halb 3 – und das dumme Ding ist samstags nicht (wie zum Beispiel sonntags *grummel*) durchgehend geöffnet, sondern erst ab 17 Uhr. Nach dem ersten Frust nehmen wir mit der Bank unter’m Baum vor uns vorlieb, unter dem wir wenigstens einigermaßen Schutz vor wieder leichtem Nieselregen finden.

Wer will schon Pizza?

Und dann – dann kommt das Beste, was ich seit Wochen in kulinarischer Hinsicht erlebt habe: Steffi reicht mir Chips. Diese kleinen Stäbchen.
„Frit-Sticks“. Ich greife in die Tüte, öffne den Mund – und der Moment, in dem die Dinger meinen Gaumen berühren, ist einfach nur göttlich.
„Boah – besser als alles, was ich je gegessen habe!!!“, seufze ich genussvoll.
Steffi und ich prusten beide los und die Pizza ist vergessen.

Singend durch den Regen

„Weiter?“ – Steffi guckt mich fragend an.
„Klar!“, antworte ich gut gelaunt, denn die Chips haben wohl Endorphine freigesetzt.
Das letzte Drittel des Weges liegt vor uns und irgendwie habe ich die Illusion, es ginge fortan nur noch bergab. Schließlich müssen wir ja wieder in Richtung Brodenbach wandern – und das liegt nun mal unten an der Mosel.
Aber nix da: Die Herrschaften, die sich die Wegführung ausgedacht haben, haben noch einen Abstecher zum Schafberg eingebaut. „Schafberg? Ich seh hier überall nur Kühe!“, ertönt es in meinem Kopf. Ich versuche, Regentropfen zu zählen. Wie dämlich.
„Breschtling-Gsälz… Breschtling-Gsälz…“, tönt es auf einmal außerdem rhythmisch in meinem Hirn. Irgendwie so nennen die Schwaben, die wir gestern trafen, ihre Erdbeermarmelade. Prima. Noch dämlicher.

Steffi murmelt dagegen etwas von „…und sie schrien nach Klopapier, Klopapier…“
„Na geil, danke. Das krieg ich jetzt nicht mehr aus der Birne…“, stelle ich seufzend fest.
„Das hab‘ ich schon in der Birne, seit du das Donnerloch Donnerbalken genannt hast!“, entgegnet Steffi grinsend.
Ausgleichende Gerechtigkeit, würde ich sagen.

Sch*** Schafberg

Endlich, endlich ist auch der Schafberg bezwungen und wir halten japsend an einer weiteren Schutzhütte.
Mir ist irgendwie seltsam zumute (da fehlt die ausgiebige Mittagspause, nehme ich an), weshalb ich fix den Kakao trinke, den ich soeben im Rucksack gefunden habe. Nur leider wird mir davon erst so richtig schlecht. Also dauert auch diese Pause notgedrungermaßen etwas länger.
Als wir dann endlich wieder fit genug sind, um weiterzugehen, ist aber wenigstens der Regen auch wieder weg.
Allerdings nähern wir uns beide gerade wohl unseren körperlichen Grenzen.
Da ist es gut, dass es letztlich doch noch abwärts geht. Und zwar über sehr schmale Wege, gesäumt von etwas steileren Abhängen, aber auch Bäumen, die uns leider den Blick auf die „ach so sonnige Untermosel“ versperren.

Ab in die Pilze!

Dafür entdecken wir – ich fass es kaum – einen Bovisten! Ich liebe diese dicken runden Pilze, aus denen man herrlich panierte „Schnitzel“ machen kann! Und dieser hier ist tatsächlich noch gut. Das stelle ich fest, als ich ihn in der Hand halte.
„Wirf rüber!“, ruft Steffi, denn ohne Pilz klettert es sich ja besser wieder den Hang rauf.
Leider scheine ich mit leichten Koordinationsstörungen zu kämpfen. Der Pilz fliegt zwar in hohem Bogen, aber dummerweise nicht sehr weit – und zerbricht beim Aufprall auf dem Waldboden in zwei Teile. Ich stöhne. Das darf doch nicht wahr sein…
Egal: Ich packe beide Hälften ein und kraxele wieder zum Weg hoch.

Pause am Teufelslay

Einige Minuten später erreichen wir eine kleine Hütte auf dem Teufelslay – dem Teufelsfelsen.
Und mit ihr eröffnet sich uns auch endlich wieder die grandiose Aussicht auf Brodenbach und die Mosel.
Wunderschön!
Wir möchten ein Selfie machen. Doch in genau diesem Moment hat ein gerade eingetroffener Herr nichts Besseres zu tun, als sich vor uns aufzubauen und damit die Sicht zu versperren. Egal – wir sind eh noch hübscher als die Aussicht… *grins*
Ich trage uns in das kleine „Gipfelbuch“ ein, das lustigerweise in der Hütte rumliegt.
Auf dem Weg hinab ins Dorf ahne ich übrigens, warum der Felsen „Teufelsfelsen“ heißen mag – das ist ja halsbrecherisch!
Aber: Hier HOCHkraxeln möchte ich noch weniger. Zum dritten Mal freue ich mich, dass wir den Traumpfad aus Versehen falsch rum angegangen sind…

Wir treffen einen Knochenmann…

Endlich unten angekommen, grüßt uns ein Skelett.
Ein Skelett?!
Ja, ein Skelett!
Und es sitzt in nem ausrangierten Autoscooter.
Auf dem Dach eines Hauses.
Wie geil ist das denn?!

Chillig geht’s weiter durch den kleinen süßen Ort, bis wir endlich – ENDLICH! – auf der Terrasse einer Pizzeria Platz nehmen können.
Spaghetti Bolognese und Pizza Margherita schmecken fantastisch.
Allerdings: Mir hätte jetzt wohl vermutlich alles „fantastisch“ geschmeckt…
Ok – bis auf Lamm vielleicht.

Es ist 18 Uhr.
Und wir sind platt.
Aber: Wir haben ihn gemeistert, den anspruchsvollsten von insgesamt 27 Traumpfaden in dieser Region.
Ich weiß jetzt schon: Ich werde wieder herkommen.
Es war einer der schönsten Wanderwege, die ich bisher gelaufen bin…“

Und ihr – nehmt euch was Schönes für das kommende Wochenende vor!

Alles Liebe,

eure Kirsche / Iris!
👣👣🍒

Und schließlich  – wie immer – noch ein paar Impressionen…

Traumpfad 6: Bergschluchtenpfad Ehrenburg

Weitere Beiträge aus der chaoskirsche-Traumpfade-Reihe:

Traumpfad 1: Der Pyrmonter Felsensteig

Traumpfad 2: Bleidenberger Ausblicke

Traumpfad 3: Nette-Schieferpfad Eifel

Traumpfad 4: Monrealer Ritterschlag

Traumpfad 5: Koberner Burgpfad

Nützliche Links:

Die Linkemühle in Niederfell
Meistens mein „Quartier auf Zeit“ an der Mosel.

Projektbüro Traumpfade Rhein-Mosel-Eifel-Touristik
Infos zu allen 26 (27) Traumpfaden und den sechs Traumpfädchen, die es bisher gibt. Mit Tourenplaner, Highlights der einzelnen Rundwanderwege, Anfahrtsbeschreibungen, App und mehr

Mein Begleiter: Der Attila von Hyberg
Mit diesem Rucksack bin ich immer unterwegs – hier findet ihr meinen ausführlichen Testbericht dazu.

Die Ehrenburg
Eine der schönsten Burgen an der Mosel – finde ich.

Schöne Bücher zu den Traumpfaden und Traumpfädchen:

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