Fernwanderung: Der GR221 auf Mallorca (Teil 1: Esporles – Valldemossa – Deià)

Tach zusammen!

Wer Mallorca Malle nennt und ausschließlich mit dem Ballermann gleichsetzt, der tut dieser schönen Insel Unrecht. Mallorca ist viel mehr – vor allem, wenn man es wandernd auf der Ruta de Pedra en Sec (Trockenmauerroute), dem GR221, erlebt. Heute könnt ihr mitwandern. Und zwar auf dem ersten und für mich zweitägigen Abschnitt, den ich in diesem Jahr gelaufen bin: von Esporles über Valldemossa nach Deià. Die Berichte zu unseren weiteren GR221-Tagestouren mit praktischen Tipps zu Herbergen und Equipment folgen in den nächsten Artikeln. Ich würde mich freuen, wenn ihr dann auch wieder reinschauen würdet. Aber jetzt geht’s erst mal los!

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Ja. Hmm. Diese Wege. Also einfach sind die nicht auf Mallorca. Aber grandios schön.

 

Es ist Mai, als ich mich mit einer Pilgerfreundin auf den Weg nach Mallorca mache, um das majestätische Tramuntana-Gebirge näher zu erkunden. Wir werden laufen, und zwar von Esporles bis Pollenca. Der GR221 startet eigentlich bereits in Port d’Andratx, doch wir erlaufen „nur“ gut 100 Kilometer, da wir nicht hetzen wollen, aber auch nicht allzu lange Zeit haben. Wir sind keine Sportskanonen (mehr ;)), daher lassen wir es langsam angehen. Glauben wir zumindest.
Wir übernachten jeweils in Herbergen, die nur mit zirka 11 Euro pro Nacht und Nase zu Buche schlagen – eine hervorragende Möglichkeit, günstig unterwegs zu sein und ab und an die Zivilisation zu genießen. Sicherheitshalber haben wir noch Zelte im Gepäck (auch wenn das Wildcampen offiziell in Spanien verboten ist). Wir nutzen sie in zwei Nächten.

1. Etappe: Esporles – Valldemossa

Los geht’s in Esporles – allein die Busanreise ist abenteuterlich, denn wir haben null Ahnung, wie oft das Gefährt in dem Kaff hält. Und so steigen wir vorsorglich direkt beim ersten Halt aus. Passend zu den ersten Schritten auf dem GR221 kippt jemand schon jetzt Wasser vom Himmel. Also erst mal den neuen Poncho von Wäfo ausprobieren. Trotzdem herrscht das Grinsen noch vor auf unseren Gesichtern – zu schön ist es, endlich wieder unterwegs zu sein!
In meinem Reiseführer steht kurz darauf der folgende Satz: „Sie haben einen beeindruckenden Blick auf das Tal, das Sie hinter sich gelassen haben“. Klingt einfach, oder? War es aber weiß Gott nicht. Schon nach diesem ersten Anstieg merke ich: Der GR221 hat es in sich. Die steilen Kurven und felsigen Wege sind besonders im Regen nicht eben fußfreundlich. Und trotzdem wunderschön. Immer wieder passieren wir Kohlenmeiler – und ich fühle mich langsam wie ne Bergziege, denn meine kurzen Beine sind nicht für die vielen hohen Steine gemacht, die da so im Weg rumliegen. Hat die extra jemand für mich hierher geschleppt?! Selbst ich Flachland-Indianer merke jedenfalls sofort: Hossa – ich bin im Gebirge angekommen…
Das Tagesziel ist für uns heute in Valldemossa erreicht, wo wir uns in einer Pizzeria wieder aufwärmen. Wir kaufen anschließend im Supermarkt ein paar Vorräte ein, wo ich prompt meine Trekkingstöcke vergesse. Die sind jedoch für mich in dieser Umgebung Gold wert, weshalb ich meine Faulheit besiege und wieder umkehre, um sie zu holen. Danach geht es aus der Stadt raus und – klar – wieder einen Berg hinauf. Jetzt nähern wir uns dem Herzogweg, der über eine Hochebene führt. Bevor wir diesen imposanten Abschnitt angehen, suchen wir uns jedoch erst einmal ein verstecktes Plätzchen zum Zeltaufbau. Für heute ist’s genug, denn wer aus dem Münsterland kommt, der ist Berge halt nicht gewohnt. Bevor ich mich aber tatsächlich hinlegen kann, habe ich mit dem steinigen Boden zu kämpfen. Einige verbogene Heringe später steht mein Domizil endlich. Judith ist auch fertig und wir brutzeln auf meinem selbst gebauten Ultraleicht-Spirituskocher noch ein Mini-Abendmahl. Zu diesem Thema später mehr (jedenfalls bin ich heute froh, das Ding los zu sein, so viel kann ich schon mal verraten.).
1. Tagespensum: rund 13 Kilometer, Höhenunterschied: rund 510 Meter

2. Etappe: Valldemossa – Deià

Unten im Ort bimmelt eine ganze Weile lang noch jede volle Stunde die Kirchenglocke, die ich in dieser Nacht nicht unbedingt zu lieben lerne. Aber ansonsten ist es ruhig, sodass ich ausgeschlafener als sonst wieder erwache. Mein Tatendrang hält sich trotzdem noch in Grenzen. Aber der entwickelt sich rasant schnell beim Abbau des Zeltes und beim Kampf mit dem Gossamer Gear G4. Zum ersten Mal bin ich nämlich mit einem Ultraleicht-Rucksack unterwegs. Und der ist zwar wirklich leicht, aber auch eher instabil, sodass ich ziemlich gewissenhaft packen muss, damit er nicht wie ein überdimensionierter Müllsack irgendwo seitlich vom Rücken an mir herunterbaumelt.
Als wir losstiefeln, freuen wir uns über den saftigen Anstieg über Geröll, der uns schon nach der ersten Kurve erwartet (*Ironiemodus-off*). Dafür werden wir am Ende mit einer grandiosen Aussicht auf das noch verschlafene Valldemossa belohnt. Schööön. *seufz*
Wir frühstücken. Ich freue mich auf den weiteren Weg, den „Camí de s’Arxiduc“ (Weg des Erzherzogs), der weiter oben beginnt. Diesen hatte ich als Tagestour im letzten Urlaub schon kennenlernen wollen, war aber in ein Gewitter geraten und hatte aufgrund der leichten Panik, die in mir aufstieg, natürlich nichts von der vielgepriesenen Aussicht wahrgenommen. Da oben hätte das Disneyland sein können – ich hätte es nicht registriert (Bericht dazu hier).
„Wollen wir?“ Judith guckt mich fragend an und ich verabschiede mich von dem Vogel, den ich gerade fleißig mit einem Apfel gefüttert habe. Wir laufen los – und es regnet nicht. Fein; die Aussicht ist bestimmt einmalig heute! Wir entdecken die Höhle eines Einsiedlers, ziehen aber schnell weiter, denn ein Schild an der Tür warnt vor Ratten. Da scheint uns die Hochebene doch angenehmer zu sein. Ein paar angestrengte Schnaufer später stehen wir oben – und zwar, juchu, mitten im tiefsten Nebel. Von Aussicht erneut keine Spur. Leicht säuerlich schaue ich mich um und bemerke geleichzeitig den auch noch heftigen Wind, der uns ganz offensichtlich den links von uns liegenden Abhang hinunterpusten will. Aber es hilft ja alles nichts: Weil wir trotzdem noch heute in Deià ankommen wollen, stemmen wir uns gegen den Wind und kämpfen uns weiter vor, immer den schmalen Pfad entlang, der wirklich sehr nah an der Steilküste angelegt wurde. Das wird uns jedoch erst bewusst, als die graue Suppe auf einmal aufreißt – ausgerechnet in dem Moment, in dem wir interessiert über die Steinkante gucken, um über das Meer zu diskutieren, das „irgendwo da unten sein muss…“. Von einer Sekunde auf die nächste registrieren wir das Wasser – ebenso wie die schwindelerregende Höhe, in der wir uns eigentlich gerade befinden.
Keine Ahnung, wer von uns beiden vor Schreck lauter geschrien hat.;)

Es ist anstrengend, ständig gegen den Wind anzurennen. Der daraus resultierenden Konzentration, die wir beide beim Laufen an den Tag legen, ist es wohl zuzuschreiben, dass wir uns kurz darauf verlaufen. An alle, die diesen (wundervollen – das ist er wirklich!) Weg auch noch laufen wollen: Wenn der GR221 oben auf der Hochebene sich nach der ersten richtigen Anhöhe von der Steilküste wegbewegt, dann achtet auf den Wegweiser, der euch nach links führen will! Da müsst ihr tatsächlich hin! Und immer schön nach Steinmännchen Ausschau halten! Steinmännchen = andere Menschen = Zivilisation = (meistens) der richtige Weg. Ich würde gern sagen, wir haben den Wegweiser absichtlich ignoriert, um noch einen hübschen zweistündigen Umweg zu machen, aber so ist es leider nicht. Die Trailrunner, die hier oben leichtfüßig übers Geröll hüpfen und uns dabei ein ums andere Mal überholen, heben die Stimmung auch nicht gerade. Als wir dann endlich doch wieder am zuvor übersehenen Wegweiser stehen, führt er uns endlich den Berg hinab. Der Weg schlängelt sich in steilen Serpentinen hinunter durch einen alten Wald – und noch bin ich davon überzeugt, dass der schlimmste Teil der Strecke für heute überstanden ist. Ha. Weit gefehlt. Der stets abschüssige Untergrund, das Geröll, das mich langsam an den Rand des Wahnsinns treibt, das mir nach und nach ausgehende Wasser – nun ja. Einfach ist es nicht. Aber dafür endlich mal wieder wärmer, denn den Wind haben wir oben gelassen. Immer positiv denken, nicht wahr? 😉
Endlich erreichen wir dann doch noch die Talsohle, ganz in der Nähe der Häuser von Son Rullan. Wir machen die Bekanntschaft eines Esels. Und ich bin am Limit und kann es beim Blick zurück kaum glauben, dass ich diesen Riesenberg überquert haben soll. Meinen Füßen geht es übrigens ähnlich, obschon sich die Blasen noch vornehm zurückhalten. Wenigstens etwas. Als wir endlich die Herberge „Can Boi“ in Deià erreichen, bin ich überglücklich. Und platt. Dabei waren das heute nur 11 Kilometer. Also offiziell. Den Umweg nicht mitgerechnet. Trotzdem: Das Tramuntana-Gebirge ist wunderschön, die Natur beeindruckend. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Nach einer heißen Dusche geht’s ins gemütliche Restaurant Xelini (die Straße dorthin führt, wie könnte es anders sein, hoch. Autsch). Schräg gegenüber befindet sich der kleine Dorfladen, in dem wir noch wunderbar unsere Vorräte auffüllen können. Hygiene-Artikel sind hier allerdings teuer – stattdessen lieber Käse einpacken ;))
Im Xelini gibt’s unter anderem (WLAN und) nen Riesenberg Spaghetti. Lecker. Diesen Teil des Wanderns mag ich übrigens ganz besonders gerne…
Die Nacht in der Herberge ist absolut in Ordnung und schenkt uns Kraft für den nächsten Tagesmarsch nach Port de Sóller. Aber dazu im nächsten Artikel mehr.
2. Tagespensum: rund 11 Kilometer (ohne Umweg), Höhenunterschied: rund 785 Meter (ohne Umweg)

Zur Steigerung der Vorfreude auf den nächsten Mallorca-Reisebericht folgen noch ein paar praktische Infos und schöne Bilder 😉

LG chaoskirsche

Alle Tagesetappen und Herbergen dieser Tour:
1. Esporles – Valldemossa
2. Valldemossa – Deià (Herberge Can Boi) (hier: Homepage und Buchungsmöglichkeit)
3. Deià – Port de Sóller (Herberge Muleta) (hier: Buchungsmöglichkeit)
4. Port de Sóller – historische Straßenbahn nach Sóller – Biniaraix – Cúber-Stausee
5. Cúber-Stausee – Herberge Tossals Verds (hier: Buchungsmöglichkeit)
6. Tossals Verds – Herberge Son Amer (Lluc) (hier: Buchungsmöglichkeit)
7. Lluc – Herberge Pont Romà (Pollenca) (hier: Homepage und Buchungsmöglichkeit)

Öffentliche Verkehrsmittel auf Mallorca: TIB Mallorca

Reiseführer und Karten in Papierform gibt’s hier:
1. Mallorca: Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen – 70 Touren (Rother / mit Routenbeschreibung des GR221) von Rolf Goetz
2. GR 221 Serra de Tramuntana. Mallorca (Sastre) – schwer, aber tolle Eindücke!
3. Mallorca – GR-221 Fernwanderweg: In 9 Etappen quer durch die Serra Tramuntana (Karte)

Lust auf Teil 2 meiner Wanderung? Hier geht’s weiter von Deià bis Port de Sóller.

Hier findest du meinen Bericht zur Kurzwanderung auf dem Herzogweg im Gewitter.

Hier gibt’s meinen Bericht zu einer Kurzwanderung über Esporles.

Hier mein Bericht über mein Zelt auf dieser Tour, das Tarptent Protrail.

Und hier mein Bericht über meine Kunstfaser-Decke auf dieser Tour, die Sestrals Blanket von As Tucas.

Und schließlich noch ein paar Eindrücke von diesen ersten beiden Tagen auf dem GR221:


Welche Fernwanderungen habt ihr schon gemacht? Welcher Weg ist zu empfehlen?
Habt ihr Tipps für Mallorca? Ich freue mich über eure Kommentare.

 

Lust auf den nächsten Bericht? Hier geht’s weiter von Deià bis Port de Sóller.

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  1. Fernwanderung: Der GR221 auf Mallorca (Teil 2: Deià – Port de Sóller – Cúber-Stausee) – chaoskirsche on tour
  2. Fernwanderung: Mallorcas GR221 (Teil 3: Cúber - Tossals Verds - Lluc)

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