Städtereise: Krakau

Tach zusammen!

„Polen bereisen? Warum?!“ – weil Polen toll ist! Vor allem Krakau und Breslau rocken.
Hier findet ihr allerlei Insidertipps für eine Städtetour, die es in sich hat. Ich war wider Erwarten begeistert von der Region.

Tuchhallen Rynek
In den Tuchhallen auf dem Rynek, dem sehr quirligen Marktplatz in Krakau, gibt es zahlreiche Marktstände.

Die Überraschung war nämlich groß, als ich erkannte, wie toll sich Polen als Reiseziel eignet und was die Region so alles zu bieten hat.
Kommt mit – ich führ euch mal ein bisschen rum!

1. Krakaus wunderbare Altstadt

Krakau ist schön – wunderschön. Die Altstadt mit dem riesigen Marktplatz – dem Rynek mit seinen imposanten Tuchhallen – hat den zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden. Und genau deshalb lohnt es, sich einen ersten Überblick im Rahmen einer der von mir heiß geliebten „Free Walking Tours“ zu verschaffen. Ihr begegnet fast ausschließlich Schönem.

Marienkirche
Die Marienkirche – hier wird’s jede Stunde musikalisch.

Ich stiefele also zum Barbakan am Rande der Altstadt. Dabei handelt es sich um ein Verteidigungswerk, der Stadtmauer vorgelagert, das als das größte erhaltene Bauwerk seiner Art in Europa gilt.

Hier treffe ich auf einen lustigen kleinen Mann mit Regenschirm. Er führt die langsam eintrudelnden Menschen durch seine Heimatstadt – und hat allerhand interessante Geschichten zu erzählen. Rund zweieinhalb Stunden dauert die Tour, auf der ich lerne, dass Krakau eine von Kämpfen geprägte Vergangenheit hat.

Heute ist die Stadt alt und jung zugleich. Sie vibriert – und steckt voller Mythen und Legenden.

Wusstet ihr zum Beispiel, warum das Lied, das zu jeder vollen Stunde von einem Trompeter von der Marienkirche am Rynek runtergetrötet wird, etwas unvollständig klingt? Gerüchte sagen, der Hals des ursprünglichen Trompeters sei während eines Angriffs von einem Pfeil durchbohrt worden, weshalb der Mann – klar – nicht ganz zu Ende gespielt hat. Das Ganze hat sich zwar wohl nur ein amerikanischer Schriftsteller ausgedacht, doch ich finde die Story irgendwie charmant. Allerdings tun mir die Männer etwas leid, die dieses Lied heute noch zu jeder vollen Stunde spielen müssen.

Juchu – ein Schloss – mit nem Drachen?!

Zur Altstadt Krakaus gehört tatsächlich auch eine Burg, die Königsburg Wawel. Auch diese erkunden wir auf unserem Rundgang und erfahren Erstaunliches: Im Berg unter der Burg hat doch tatsächlich ein Drache gewohnt! Dieser „Smok“ fraß leider unschuldige Jungfrauen, weshalb König Krak nach Hilfe suchte. Er fand sie in Gestalt eines Schusterjungen, der laut Stadtführer eine grandiose Idee hatte: Er stopfte Schafe mit Schwefel voll und warf sie dem Drachen zum Fraß vor. Der verschlang sie gierig – und versuchte nur sehr kurze Zeit später, den nachfolgenden Problemen dadurch zu entkommen, die Weichsel auszusaufen. Allerdings war das Ergebnis eher von Nachteil für den Drachen: Er trank zu viel und platzte. Niedlich, oder?

Aber die Legende ist heute noch lebendig, also Vorsicht:

Als ich nach der Führung am Ufer der Weichsel entlangschlendere (toller Tipp für sonnige Tage!), entdecke ich plötzlich unter dem Schloss eine Statue des „Smoks“. Ich setze mich neben sie auf eine Bank. Da sitze ich exakt 4 Minuten – und plötzlich höre ich seltsame Geräusche, die ich nicht zuordnen kann. Zwei Sekunden später, ich traue meinen Augen kaum, spuckt das Vieh neben mir tatsächlich Feuer! Davon hatte ich bisher noch nichts gehört, weshalb ich fast schon von der Bank falle. Nicht mehr gar so süß, das Ganze 😉

Ganz in der Nähe gibt’s übrigens eine kleine Erinnerung an den „Walk of Fame“: Auf dem Boden nahe der Weichsel finden sich die Handabdrücke und Sterne diverser Stars wie zum Beispiel Roman Polanski.

2. Das Jüdische Viertel: Kazimierz

Skurril und charmant: In den Gassen des Jüdischen Viertels geht es mitunter farbenfroh zu.

Kazimierz ist heute ein hippes Viertel und liegt in der Nähe meines Hostels, weshalb ich es als Nächstes erkunde. Dass es viele Restaurants beherbergt, ist wahr. Auch viele Galerien gibt es, einen ansprechenden Friedhof und Synagogen. Traditionelle Cafés mit Tischen im Hof hinter dem Haus, charmante Gassen und Künstlerkneipen: Hier ist einfach Schlendern angesagt.

Ein Bummel über den Markt auf dem Neuen Platz ist schön, ebenso wie zufällige Erlebnisse, die einem passieren, wenn man sich einfach mal mitreißen lässt und nicht alles durchplant. So geht es mir beim Besuch eines kleinen Restaurants namens „Max 14“ (Szeroka 14).

Ich werde von einem Kellner freundlich hineingebeten, obwohl ich eigentlich gar nicht vorhatte, hier zu essen.

Klezmer-Musik

Ich habe keine Ahnung, warum das nun Folgende passiert, aber in diesem Moment nimmt ein Herr mit einer Art Quetschkommode am Kamin Platz und kurz darauf gesellt sich eine hübsche Frau mit dunklen langen Locken in einem nicht minder hübschen Abendkleid zu ihm. Und dann kann ich zum ersten Mal live Klezmer-Musik lauschen. Die Dame hinter mir summt mit, ich genieße sowohl die traurigen als auch die lustigen Weisen und freue mich später auch noch darüber, dass die beiden Musiker noch französische Chansons zum Besten geben (und da ich diese Sprache ja nicht mag, ist es ebenfalls seltsam, dass mir das Ganze auch noch gefällt;)).

Die Mahlzeit ist lecker, die Portion (wie offensichtlich überall in Polen ;)) großzügig bemessen und der Preis in Ordnung. Fazit: Klezmer und gutes Essen passen zusammen.

3. Kalorien, Kalorien, Kalorien!

Das Essen ist überhaupt ein Thema in Polen und speziell in Krakau.
Wer möchte, kann Italienisch essen gehen – zum Beispiel in der Shoppingstraße UL. Floriánska 10. Hier findet ihr das kleine Lokal „Sycylia“ mit allem, was zum italienischen Essen dazugehört.

Wer aber lieber typisch Polnisches genießen will, wird schnell auf die kleinen Verkaufsstände aufmerksam, die an jedem Straßenrand stehen. Angeboten werden hier „Obwarzanek“. Das ist eine Art salziges Gebäck, das ein wenig an Brezeln erinnert, bestreut mit Salz, Mohn oder Sesam und für ein paar Cents zu haben.

Eine weitere „Leckerei“ ist „Zapiekanki“, wobei das Wort „Leckerei“ nicht ganz richtig gewählt ist. Es impliziert für mich nämlich ein niedliches, kleines Gericht, von dem man mehrere essen kann. Ist bei „Zapiekanki“ aber nicht so. Dabei handelt es sich um ein riesiges Stück Baguette mit vielen Pilzen (in meinem Fall), viel Käse, Soßen und einer menge Kalorien. Für 2 Euro. Krass. Und sehr sättigend.

Die besten „Zapiekanki“ soll es übrigens am Plac Nowy im Jüdischen Viertel geben, hat man mir gesagt.

Unbedingt probieren: Pierogi!

Ein richtiges Kleinod, das man gesehen haben sollte, ist für Leckermäuler ein Ort, an dem es eigentlich nicht viel zu sehen gibt ;). Damit meine ich eine Art „Minilokal“ mit dem klangvollen Namen „Przystanek Pierogarnia“ (Bonerowska 14), ganz in der Nähe meines Hostels (Blueberry Hostel, mehr dazu unten unter Unterkunft). Pierogi – oder für Deutsche: sowas Ähnliches wie Maultaschen – sollten es sein.

Pierogi
Pierogis gibt’s in vielen Varianten.

Und in diesen kleinen Laden locken mich gute Exemplare – und alle selbst gemacht. Da ich manchmal etwas schwer von Begriff bin, warte ich zunächst zehn Minuten vor der Tür, durch die ich Köpfe sehen kann.¨Mann, muss wirklich beliebt sein…¨, denke ich, denn ich vermute, die Herrschaften warten auf einen Tisch. Irgendwann öffnet mir von drinnen jemand grinsend die Tür – und ich realisiere jetzt erst das „Ausmaß“ des Ladens.

Wobei Ausmaß wohl das falsche Wort ist. Der Laden ist gefühlte 5 Quadratmeter groß, zwei Bretter gibt’s an jeder Wand (mit genau 6 Hockern davor) und eine Durchreiche, durch die ein nettes Mädel Bestellungen aufnimmt. Na, egal – rein in die gute Stube. 😉 Hat sich gelohnt. 10 Maultaschen (2 Varianten) später bin ich aus dem gemütlichen Schuppen wieder raus. Und pupsatt für wieder mal einen schmalen Kurs.

Viele tolle und gemütliche Lokale und Cafés mit Kerzenschein gibt es übrigens auch ganz in der Nähe des Marktplatzes – in der UL Bracka. In der Hausnummer 6 ist das Restaurants „CK Dezerter“ zu finden. Mein Tipp für den Herbst: Probiert hier die geniale Kürbissuppe! Göttlich.

3a. Die kleinste Bonbonfabrik der Welt

In einer weiteren Einkaufsstraße, der UL Grodzka, verbirgt sich im Haus mit der Nummer 38 (ebenfalls in der Nähe des Ryneks) die „kleinste Süßigkeiten-Manufaktur der Welt“: Die „Fabryka Cukierków“. Dieses Mini-Geschäft zu betreten, gleicht einer Reise in eine andere Welt. Bunte Süßigkeiten hängen an den Wänden; Lollis und Bonbons. Und am Ende des schmalen Raumes stehen hinter einer Glasscheibe zwei junge Burschen, die Teile einer seltsamen zähflüssigen Masse kneten.

Diese haben verschiedene Farben – und die beiden Bonbonfabrikanten erklären mir, wie sie den Süßkram bearbeiten müssen, damit die kleinen runden Bonbons entstehen, wie sie hier in Massen an den Wänden hängen. Als sie fertig sind, bieten mir die Jungs einige Probestückchen mit Kaffeegeschmack an. Sie sind noch warm und schmecken – nun ja, süß – und herrlich! 😉
Falls ihr mal da seid, lasst euch diese spannende Vorführung nicht entgehen!

4. Schindlers Fabrik im Viertel Podgorze

Dass das Museum „Schindlers Factory“ mitnichten das Leben Schindlers nachzeichnet, sondern eher ein äußerst beeindruckendes Museum (immerhin in Schindlers ehemaliger Fabrik) über den 2. Weltkrieg und die Zeit kurz davor in Krakau darstellt, war mir vor dem Besuch in der UL Lipowa 4 nicht bewusst. Schindlers Geschichte ist nur ein kleiner Teil vom Ganzen. Aber das ist vollkommen in Ordnung (schließlich hat er schon einen eigenen Film bekommen. ;))

Diejenigen, die das Museum erschufen, haben ihren Job wirklich gut gemacht.

Der erste Raum, der richtig haften geblieben ist, stellt ein Fotoatelier der Vorkriegszeit in Krakau dar. Die Einrichtung, mit Fotoapparaten von vor 70 Jahren, und das Licht tragen dazu bei, dass ich unweigerlich durch die Zeit – ja schon fast ¨zurückgezogen¨ werde. Ich schaue in Gesichter der Krakauer, die damals hier gelebt haben; Christen und Juden. Auf meinem weiteren Weg durch diese labyrinthisch anmutende Ausstellung passiere ich die Dunkelkammer des Fotografen – ein enger Flur, durch den ich auf die drohende Katastrophe zusteuere.

Ganz viel Multimedia

Die Stimmung wird dunkler, sowohl durch das Licht als auch durch die Multimediapräsentationen, die deutschen Stimmen aus dem Hintergrund und den Kampflärm, der den Kriegsausbruch markiert. Fotografien von der Front der ersten Kriegstage sind zu sehen, das Straßenbild wandelt sich, deutsche Namen tauchen auf, die ¨Sonderaktion Krakau¨ gerät zum ersten offenen Terrorakt gegen die Krakauer Elite. Die ersten Deportationen, der Alltag im Ghetto, das KZ, Schindlers Arbeitszimmer, seine berühmte Liste und immer wieder Stimmen von irgendwoher, die mich in der Vergangenheit festhalten, bis ich schließlich die letzten Monate der Besatzung und das Vordringen der Roten Armee ¨miterlebe¨ – dieses Museum ist wirklich fesselnd, denn überall stehen oder hängen Requisiten, die mich davon überzeugen wollen, dass ich mich gerade überall befinde – nur nicht im Hier und Jetzt.

Allerdings muss ich sagen: Hier empfehle ich keine geführte Tour, sondern einen individuellen Rundgang (Achtung: Mindestens zwei Tage vorher besser im Internet Eintrittstageskarten buchen, denn diese sind begrenzt!) Karten gibt es hier: Tickets „Schindlers Fabrik“.

70 herrenlose Stühle

Diese Stimmungen wirken vermutlich noch stärker, wenn man so lange an diesem Ort verweilen kann wie man möchte. Es gibt zum Beispiel genügend Videos, etwa Interviews mit Zeitzeugen, oder Fotos, die ich mir gern noch länger angeschaut hätte. Außerdem: Jeder Raum ist sehr gut beschrieben, die einzelnen Jahre und Ereignisse werden zudem sehr plastisch, fast schon wie in einem Film, in den man versehentlich hineingerutscht ist, dargestellt.

Ich bin ein bisschen geflasht, als ich am Ende des Rundgangs noch in zahlreiche Gesichter der Menschen schaue, die auf Schindlers Liste des (Über-)Lebens gestanden haben. Ein Bild zeigt zudem Überlebende am Grabe Schindlers. Noch so ein berührendes Dokument.

Auf dem Rückweg gerate ich dann zufällig auf den Platz der Ghettohelden, auf dem 70 herrenlose und abends beleuchtete Stühle stehen. Das Denkmal wurde zur Erinnerung daran errichtet, dass Bewohner des Ghettos ihre Habseligkeiten hier hatten zurücklassen müssen, als dieses geschlossen wurde und die Menschen entweder erschossen oder zur nächsten ¨Station¨ auf dem Weg in den sicheren Tod getrieben wurden. Auch ein Teil der Mauer des ehemaligen Ghettos ist in der Nebenstraße noch zu sehen. Nachdenklich starre ich einen der wie mahnend dastehenden übergroßen Stühle an, bis mich das entspannte Plaudern zweier Jugendlicher zurück ins heutige Krakau holt.

Übrigens: Ein weiteres spannendes Museum gibt’s unter den Tuchhallen auf dem Rynek. Tolle Multimediapräsentationen laden ein, die Geschichte Krakaus nachzuerleben. Und sogar die Reste der alten Tuchhallen sind zu bestaunen.

5. Allerheiligen in Krakau

Ich habe eine Grabkerze bei meinem Besuch Auschwitz (dazu unten mehr) gekauft. Mit dieser laufe ich an Allerheiligen zum Rakowicki-Friedhof (UL Rakowicka 26, noch hinter dem Bahnhof). Diesen beeindruckenden Gang kann ich nur jedem empfehlen, der Allerheiligen in Krakau weilt.

Allerheiligen
Allerheiligen auf dem Rakowicki-Friedhof

Ich bin an diesem Tag nicht alleine. Zahllose Menschen sind unterwegs – und sie alle scheinen zum Friedhof zu wollen. Schon von Weitem höre ich eine Messe, die aus Lautsprechern durch die Straßen klingt; immer wieder wunderschöne Lieder, gesungen von vielen Menschen.

Der Friedhof gleicht einem einzigen Lichtermeer. Groß und Klein streifen durch die Gänge, stellen immer noch mehr Kerzen auf die Gräber.

Ich platziere eine auf einer der wenigen Grabstellen, die noch keine Kerze aufweisen, und setze mich auf eine Bank. Ganze Familien sind unterwegs, junge und alte Menschen, sie schweigen zusammen, beten zusammen, aber – und das ist wirklich auffällig – sie lachen auch viel miteinander, erzählen.

Die Szenerie gleicht einem außergewöhnlichen Volksfest. Obwohl – ist ¨Fest¨ das richtig Wort? … Ja. Das ist es – irgendwie. Die Menschen ehren und feiern ihre Toten – und zugleich auch die Lebenden…

6. Unterkunft in Krakau

Ich habe eine wunderbare Zeit im „Blueberry Hostel“ verbracht. Alles war fußläufig zu erreichen, die Atmosphäre war gemütlich und dank der lieben Inhaberin Justyna, der großen Küche, der liebevoll arrangierten Einrichtung sowie der Einzelbetten mit abschließbarem Bettkasten fühlte ich mich abends jedes Mal, als würde ich heimkommen. Inklusive WG-Feeling 😉

Das „Blueberry Hostel“ findet ihr in der UL. Wrzesinska 5/5. Das ist perfekt gelegen zwischen der Altstadt und dem Jüdischen Viertel Kazimierz.

Blueberry
Küche im Blueberry Hostel

Mehr Infos erwarten euch auf www.blueberryhostel.com oder auf Facebook. Die Preise sind unschlagbar günstig (ich habe für 5 Nächte inklusive Frühstück rund 59 Euro bzw 250 Zloty bezaht). Mit Englisch kommt ihr hier sehr gut zurecht.

Bei Bedarf könnt ihr hier auch bei der Inhaberin Touren nach Auschwitz und zum Salzbergwerk in Wieliczka buchen.
Telefon des Hostels: +48 12 426 46 64 und Mail: info@blueberryhostel.com.

7. Free Walking Tours

Am Ende jeder Tour gibt jeder Teilnehmer so viel, wie er für den Rundgang für angemessen hält. Ne faire Nummer, finde ich. Mehr über die einzelnen Touren – unter anderem gibt es gruselige Abendführungen inklusive Geister- und Serienmördergeschichten – erfahrt ihr auf der Webseite der „Free Walking Tours“.

Lohnenswerte Ausflüge

1. Das Salzbergwerk in Wieliczka

Ich bin zwar Schalke-Fan, aber dennoch war ich bisher nie unter Tage. Daher fahre ich eines Morgens im Rahmen einer organisierten Tour (mehr Infos gibt es im „Blueberry Hostel“ und vermutlich auch in vielen anderen Hostels) in einem Minibus nach Wielieczka, wo es ein Salzbergwerk zu erkunden gibt. Naja, zumindest 3 Prozent davon, denn die Stätte, die seit gut 900 Jahren in Betrieb ist, besteht aus Sohlen mit einer Länge von insgesamt gut 250 Kilometern. Zu viel, um das Ganze in nur 3 Stunden abzulaufen.

Hinab in die Tiefe!

See
Unterirdischer See

Zunächst sind diejenigen schlecht dran, die nicht richtig gefrühstückt haben (kann mir ja nicht passieren ;)): 380 Stufen sind zu Fuß in die Tiefe zu bewältigen. Runter auf 64 Meter. Wir durchwandern zahlreiche Kammern und sogar einige Kapellen. Es ist wohl das Bergwerk mit den meisten Kapellen in Polen – nämlich rund 20 – überhaupt.

Imposant sind alle, die ich sehe. Vor allem die Kapelle der heiligen Kinga, mit zahllosen Skulpturen aus Salz, die von einem Bergarbeiter-Brüderpaar und seinem Kumpel angefertigt worden sind. Kopernikus und der gute Goethe begegnen mir auch wieder, die unterirdischen Seen sind eine Wucht und oben gibt’s sogar einen Saal, in dem Konzerte, Tanzmeisterschaften und mehr zu erleben sind. Die Polen wissen jedenfalls, wie man Menschen an bestimmte Orte zieht. Über 1,5 Millionen sollen es mittlerweile jährlich sein, die diese glitzernde Welt erkunden.
Hier gibt es Infos zum Salzbergwerk und zu verschiedenen Führungen.

2. Zwerge suchen in Breslau (Wrocław)

Wenn wir schon mal in Krakau sind, können wir auch zwischendurch mal nach Breslau fahren. Mich kostete der Spaß zum Beispiel nur rund 4 Euro. In einem Polski-Bus mit großzügigem Platzangebot und WLAN. Chapeau! Um Tickets zu bekommen, einfach am Busbahnhof in Krakau nachfragen.

Auch hier gibt es die „Free Walking Tours“. Von der Mehlsuppe allerdings, die ich vorher gegessen habe, kann ich nur abraten. *schüttel*

Man muss wissen, dass Breslau im zweiten Weltkrieg zu zirka 75 Prozent zerstört wurde. Aber: Der Wiederaufbau ist mehr als gelungen. Es ist eine romantische Stadt, eine Stadt mit 117 Brücken, mit zahlreichen Kirchen, mit über 400 Zwergen, dem „Hänsel und Gretel-Haus“ sowie schnuckeligen Cafés, Bars, Restaurants und Kneipen. Eine der Letzteren war mal ein Gefängnis. Jetzt hängen dort Studenten ab. Die Blumenkohlsuppe dort ist übrigens sehr scharf. Wer darauf steht, sollte hingehen (oder das Bier dort probieren: 0,5 leckere Liter für 2 Euro ;)).

Ein Mann im Frack zündet Lampen an

Loewenzwerg
Breslauer Zwerg

Die Dominsel betritt man über eine Brücke, die zig Liebesschlösser zieren, ein toller Anblick. Und das Viertel hält außer der Kathedrale noch eine weitere spannende Besonderheit bereit: Ein mit Umhang und Zylinder ausgestatteter Herr entzündet – eine halbe Stunde bevor es dunkel wird – eigenhändig die Gaslampen des Distrikts. Man fühlt sich ein wenig in eine andere Zeit zurückversetzt.

Breslau Dominsel
Die Brücke zur Dominsel

Kurz vor der Dominsel findet sich auch die Kirche St. Maria auf dem Sande – und in ihr neben imposanter sakraler Kunst auch eine alte Nonne, die eine riesige Weihnachtskrippe aus alten und neuen Spielfiguren bewahrt und erweitert. Wenn ihr Glück habt, setzt sie dieses überdimensionale Spielzeug für euch in Gang – es befinden sich darin nämlich zahlreiche kleine Motoren. Irgendwie niedlich.

Die Stadt erstrahlt abends, ist ruhiger als Krakau – und doch gefallen mir beide Städte recht gut. Wer auf der Suche nach einem der 400 Zwerge in die Markthalle stolpert: Hier kann man günstig und frisch einkaufen. Und in der hintersten linken Ecke gibt’s superleckeren Kaffee an einem Mini-Hipster-Stand….

Übrigens: Ich bin froh, diese Stadt heute und nicht vor einigen Jahrhunderten besucht zu haben. Dafür, dass ich als Frau Hosen trage, hätten sie mich damals auf die Säule am Rathaus gepackt, wo jeder mit faulen Eiern auf mich geworfen oder mich verspottet hätte…

Unterkunft in Breslau (sehr nett und günstig): Das Hostel „Mleczarnia” liegt in der UL Pawła Włodkowica 5 und damit nah dran an allem Wichtigen.
Mehr Infos hier: Webseite des Hostels Mleczarnia

3. Auschwitz / Birkenau

Ja. Dieser Ausflug muss in meinen Augen sein. Touren werden in Hostels angeboten.

Meine Erlebnisse dort – nun ja. Mir fehlen immer noch ein bisschen die Worte. Worte scheinen aber auch so unzulänglich, wenn es um Auschwitz und Birkenau geht. Ich muss ehrlich sagen: Meine Stimmung schwankt schon sehr gewaltig. Aber wenn ich lese, dass es Menschen gibt, die den ganzen Holocaust leugnen, dann weiß ich: Man sollte schreiben und zeigen. Denn das, was war, darf nicht wieder geschehen.

Schiene
Birkenau. Worte fehlen hier.

Ich muss zugeben: Ich hatte keine Vorstellung. Keine Vorstellung von der Wirklichkeit, vom Ausmaß dieser Tötungsmaschinerie. Von der Menschlichkeit, die dort in unfassbarem Maße abhanden gekommen sein muss, und zugleich mit Füßen getreten wurde. Und vor allem – das zu verstehen, dazu hatte mich bisher tatsächlich weder Erzählung noch Geschichtsbuch gebracht – hatte ich nie bewusst eine Vorstellung von den Dimensionen.

Den Opfern ein Gesicht geben

Als ich in Birkenau, einem riesigen Areal (200 Hektar) voller Baracken und Reste derselben, stehe, kann ich es immer noch kaum fassen. Bis zu 90.000 Menschen wurden dort, ja, schon fast ¨gehalten¨. Rund 1,5 Millionen Menschen wurden hier Schätzungen zufolge schlicht und ergreifend ermordet. Die Schienen, die ¨Judenrampe¨, die Krematorien, das riesige Gelände… wie gesagt: Die passenden Worte für diese Verbrechen gibt es wohl nicht.

Gerade haben wir die Sauna passiert (hier wurden die neu Angekommenen rasiert und in Häftlingskleidung gesteckt) und stehen an den Ruinen einer weiteren Gaskammer (wie kann ein Mensch zu einem Unmenschen werden?), da bahnt sich die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke. Sie beleuchtet die Stracheldrahtzäune, die Baracken, die Schienen – und alles erscheint noch surrealer als es ohnehin schon ist. Mir ist kalt.

Ja – ich bin froh, dass diese Führung vorbei ist. Aber es war gut, dass ich dort war.

Ich denke, diesen Teil unserer Vergangenheit sollte jeder gesehen haben, auch wenn man es anschließend vielleicht trotzdem nicht begreifen kann.

Die Museumsmitarbeiter haben den Opfern ein Gesicht gegeben. 40 Kilogramm Brillen, 110.000 Schuhe, 3.800 Koffer, Familienfotos – neben Fotos aus dem KZ-Alltag – all das hat sich eingebrannt. Stärker, als jeder Geschichtsunterricht, jedes Buch es je könnte. Für das Erinnern und gegen das Vergessen: Dieses Museum hat eine wichtige Funktion. Dennoch: Die Wahrheit ist tatsächlich schwer auszuhalten.

Hier könnt ihr Tickets für Führungen vorbuchen:Visit Auschwitz

Zum Abschied:
Warum es in Krakau so viele Tauben gibt

Bevor wir wieder heimfahren, erzähle ich euch noch schnell etwas Humorvolleres, damit der Abschied nicht so trübsinnig ist.

Wisst ihr zum Beispiel, warum es in Krakau so viele Tauben gibt? Ein hoher Machthaber wollte Frieden stiften in Europa und die Unterstützung des Papstes einholen. Ihm fehlte allerdings Geld. Viel Geld. Er ging zu einer Wahrsagerin mit magischen Kräften, die ihm sagte, sie würde seine Armee in Tauben verwandeln. Diese sollten dann aufs Dach der Marienkirche fliegen. Dort würden sie Goldstücke produzieren und hinunterspucken (daher die typische Kopfbewegung ;)).

Dann sollte der hohe Herr mit diesem Gold zum Papst reisen, dessen Unterstützung anfordern. Derweil würde die Armee des Machthabers auf dem Dach verweilen. Bei der Rückkehr des Möchte-gern-Friedenstifters würden sie ein zweites Mal Gold spucken und anschließend zurückverwandelt werden. Das Problem war nur: Dem hohen Herrn reichte offensichtlich das Gold, das er beim ersten Spuckwunder schon hatte einheimsen können – denn er reiste damit nach Italien und ward nie mehr gesehen. Und die armen Schweine… äh… Tauben sitzen deshalb auch heute immer noch hier in Krakau rum…

Fazit: Hohen Herren kannste halt nicht immer trauen. 😉

Euch viel Spaß in Polen – und lasst mir gern weitere Tipps in den Kommentaren hier!

Auf bald,
chaoskirsche

P.S.: Dieser Beitrag ist Teil der großen Europa-Blogparade von „Trip to the Planet“, die ihr HIER findet.

2 Gedanken zu „Städtereise: Krakau

  1. Ja, Polen überrascht viele. Ich bin desöfteren dort. In Wroclaw war ich inzwischen vier mal, in Kraków erst einmal. Übrigens, einmal pro Woche ist in vielen Museen, auch in Schindlers Fabrik, der Eintritt kostenlos. Da sollte man dann rechtzeitig vor Ort sein für eine Eintrittskarte.

    Wieliczka ist übrigens UNESCO-Weltkulturerbe. Du hättest auch ganz bequem mit dem Zug hinfahren können, hab ich auch für kleines Geld gemacht. Zwischen Kraków und Wroclaw kann ich auch eine Fahrt mit der PKP empfehlen, habe letztes Jahr eine Bahnrundreise gemacht. Ist preiswert und in den IC-Zügen ist auch häufig ein Speisewagen eingestellt, wo man preiswert essen kann.

    Schade, daß du Wroclaw so kurz abhandelst, denn die Stadt hat so viel zu bieten: Ostrow Tumski (die Dominsel), die tollen Museen, die beiden jüdischen Friedhöfe (auf einem liegt der SPD-Mitbegründer Ferdinand Lassalle begraben), der alte Wasserturm, die Jahrhunderthalle, die ehemalige Maschinenbauschule, der Rynek und nicht zu vergessen der beeindruckende Bahnhof Wroclaw Glowny mit seinem Empfangsgebäude im Tudorstil…

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